Mai-Termin im Repair-Café Tamm

Des bebbt

Klebestoffe spielen eine wichtige Rolle im täglichen Leben, auch im Repair-Café. Genügend Platz vorausgesetzt, kann dort bei Bedarf ein Leim-, Schnur- und Klebeband-Tisch an dem man Sachen kleben, verschnüren und tapen kann, aufgestellt werden.

Eine Klebesorte feierte kürzlich Jubiläum.

In einer Veranstaltung vom Landesmuseum Württemberg widmeten Dr. Markus Speidel und Jenny Wölk ihren Vortrag mit dem Titel:

Des bebbt.
90 Jahre transparentes Klebeband

dem Klebeband.

Im Vortrag wird betont, dass das Klebeband eine lange Entwicklung in den letzten 90 Jahren durchgemacht und sich in seinen Funktionen gewandelt hat. Heute spricht man sogar von Tape Art (Klebebandkunst) als Kunstform bei der mit Klebestreifen mit unterschiedlichen Strukturen, Farben und Formen Bilder im öffentlichen Raum geschaffen werden können.

Richard Gurley Drew, ein US-amerikanischer Erfinder der für 3M arbeitete, erfand zunächst 1925 das Abdeckklebeband, einen fünf Zentimeter breiten Papierstreifen mit einer dünnen Klebeschicht den Rand entlang. Drew verbesserte sein Klebeband, indem er das Trägermaterial vollständig beschichtete. Ein paar Jahre später erfand er das erste transparente Klebeband. Der Patentantrag dafür wurde im Mai 1928, also vor 90 Jahren eingereicht. Laut Wikipedia sind heute mehr als 900 verschiedene Klebebänder auf dem Markt.

Im Vortrag wird darauf hingewiesen, dass das Klebeband sich immer gehalten hat, weil es so unkompliziert ohne Vorkenntnisse und Können genutzt werden kann. Diese einfache Methode um zu reparieren, zu flicken, zusammenzufügen kann sowohl als Provisorium, als auch als Dauerlösung verwendet werden.

Für die Museumssammlung seien auch Objekte mit den Klebestreifen interessant. Für die Restauratoren im Museum stelle sich dann die Frage „Kleber dran lassen oder abmachen?“ und „Ist es Teil des Objektes?“ – weil die Geschichte hinter den Dingen und die kulturelle Praxis für das Museum dokumentierungswürdig für spätere Generationen sind. Nicht immer sei es möglich, eine abschließende Antwort zu finden.

Hier einige Klebebandobjekte aus der Sammlung.

Tonbandgerät (Copyright Landesmuseum Württemberg)

Das Gerät von Braun ist nicht original in dem Holzrahmen. Es wurde aus seinem ursprünglichen Gehäuse entfernt und in die Holzkiste eingebaut. Das Gerät stammt aus einer Radio- und Fernsehwerkstatt, die in den 1970er aufgelöst wurde.

Nähmaschinentransport (Copyright Landesmuseum Württemberg)

Eine Frau aus Paris besucht ihre Freundin und ist von dem Museum in Waldenbuch angetan. Sie fährt zurück und bringt die Nähmaschine ins Museum für die Ausstellung „Mein Stück Alltag“. Der Wagen war gar nicht für die Ausstellung gedacht. Das Museum fand die Geschichte aber so wunderbar wie die Frau diesen Wagen im TGV nach Stuttgart und dann nach Waldenbuch transportierte.

Dynamo Taschenlampe (Copyright Landesmuseum Württemberg)

 

 

Vermutlich 1930er Jahre. Bakelit-Gehäuse. Keine Geschichte zur Reparatur bekannt. Vermutlich Gehäuse gebrochen und deswegen geklebt worden. Klebeband ist deutlich später 1970er Jahre.

 

Handschuhe (Copyright Landesmuseum Württemberg)

„Sie waren immer bei mir: beim Holzsägen und –hacken, bei Erd- und Waldarbeiten, im Haus, Holzschuppen und Kohlenkeller. Sie schützten meine Hände gegen raue und giftige Materie, gegen Stacheln von Rosen und Disteln. Ihr Leder trug stellvertretend für meine Haut Verletzungen davon. Besonders an den Fingern des rechten Handschuhs wuchsen die Löcher. Meine Frau weigerte sich schließlich sie zu flicken; auch meinem Vorschlag, die durchlöcherten Finger durch intakte anderer Handschuhe zu ersetzen, lehnte sie strikt ab. Ich flickte immer wieder mit Paketband, das aber schnell zerschliss oder als ganze Hülle abfiel. Jetzt sollen meine Arbeitshandschuhe ihre verdiente Ruhe haben.“

Übrigens, das Thema Flicken und Reparieren als kulturelle Praxis, aus der Not geboren, um Ressourcen zu schonen bzw. weil keine Ressourcen vorhanden waren, ist für das Landesmuseum nichts Neues. Objekten, die repariert werden, wird ein ganz anderer Wert beigemessen. Bereits 1983 gab es die Ausstellung:

Flick-Werk : Reparieren und Umnutzen in der Tageskultur

Begleitheft Flickwerk (Copyright Landesmuseum Württemberg)

Und noch eine Info: Freier Eintritt ins Landesmuseum Württemberg.
2018 ist der Eintritt in die Schausammlungen des Hauses, in das Haus der Musik, ins Römische Lapidarium sowie in das Museum der Alltagskultur kostenfrei. Besucherinformation

Und nun zu unserem Mai-Termin.

Ein regnerischer Mai-Tag. Trotzdem sind unsere Gäste wieder zahlreich erschienen und brachten auch diesmal eine Auswahl an Haushaltsgegenstände mit. Von Toaster, Radio, Telefon und Dosenöffner bis Personenwaage, Mixer, Kaffeeautomat und Receiver war einiges dabei.

An den Nähtischen wurden Hemden, Hosen, Kleider, ein Lederetui und eine Puppe repariert.

Eine Gehrungssäge …

… ein Uhrenradio …

. und eine Schreibmaschine

Eine wunderschöne …

… Spieluhr

Wie man von mehreren kleinen Löchern ausgehend …

… ein großes Loch bohrt.

Natürlich gab es zum Kaffee auch diesmal leckere hausgemachte Kuchen.

Und schon freuen wir uns auf den nächsten Termin. Der ist am 11.06.2018.

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Der Mai ist gekommen, das Repair Café macht seine Tore auf

Morgen findet wieder unser Repair Café in der Tammer Kelter statt. Unsere Reparaturhelfer stehen wieder von 16 bis 19 Uhr bereit, um Ihre kaputt gegangenen Dinge mit Ihnen zusammen zu reparieren.

Wir freuen uns auf Sie!

April-Termin im Repair-Café Tamm

Zwei Jahre Repair-Café in Tamm!

April 2016 ging es los. Nun feiern wir April 2018 unser 2-jähriges Jubiläum.

Zur Feier des Tages besuchte uns der 1. Stellvertretende Bürgermeister Dr. Andreas Richter und überbrachte Grüße vom Bürgermeister Herrn Bernhard. In seiner Ansprache lobte Herr Dr. Richter die Repair-Café-Aktivitäten und bedankte sich beim Café-Team.

Anschließend informierte er sich in vielen Gesprächen mit Aktiven und Gästen über Einzelheiten der Reparaturarbeiten.

Sieht man nicht sehr häufig – eine schöne alte Registrierkasse.

Unsere Gäste brachten wieder eine bunte Auswahl an Gegenständen zur Reparatur. Von Haushalts-und Küchengeräten wie Kaffeemaschine, Rasiergerät, Fahrrad, Küchenmaschine, Glätteeisen und Heizstrahler, von Textilien (Jacke, Pullover) bis Multimediageräte wie CD/DVD-Player, Receiver und ein DECT-Telefon war einiges dabei.

Der Besenstiel kommt wieder in die Fassung. Die Kehrwoche ist nicht mehr gefährdet.
Gibt der Plattenspieler einen Ton von sich?
Als die Musik durch die Kelter schallt, ist die Freude groß.

Natürlich haben leckere hausgemachte Kuchen zum Kaffee auch diesmal nicht gefehlt.

Zum Abschied winkte der Wecker.

März-Termin im Repair-Café Tamm

Ging in den letzten Tagen Ihr Radiowecker oder Ihre Herd-Uhr nach? Das sind keine Fälle für das Repair-Café. Die Ursache liegt woanders. Uhren, die keinen eigenen Taktgeber haben, richten sich nach der Frequenz der Netzspannung von 50 Hertz. Geringe Abweichungen in der Netzfrequenz durch höheren oder geringeren Stromverbrauch kommen zwar immer wieder vor, werden aber von den Versorgern sehr kurzfristig ausgeglichen z.B. durch höhere Einspeisung.

Aufgrund von politischen Unstimmigkeiten auf internationaler Ebene kam es in den vergangenen Wochen zu einer dauerhaften Unterversorgung im Europäischen Übertragungsnetz und als Konsequenz zu Frequenz-Abweichungen. Diese Schwankungen haben viele Uhren in Europa aus dem Takt gebracht.

Betroffen sind 25 Länder in Europa, darunter auch Deutschland.

Und nun zum März-Termin. Zur Reparatur gebracht wurden diesmal neben den üblichen Haushalts und Multimediageräten wie Staubsauger, Bohrer, Radio, Massagegerät und Kaffeemaschine auch Fahrräder, eine Marionette und eine Puppe.

Problem schnell identifiziert – es fehlt das Hinterrad.

Sind schwarze Spaghetti immer so dick und zäh?

Welcher Baustein …

… tut denn nicht?

Die Marionette kann wieder gehen.

Die etwa 60 Jahre alte Puppe …
… liegt auf dem OP-Tisch.

Die leckere Auswahl an hausgemachten Kuchen hat natürlich auch diesmal nicht gefehlt.

Februar-Termin im Repair-Café Tamm

Aufgrund des Kurzberichts über die Firma Fein im Dezember-Blog-Eintrag meldete sich ein ehemaliger Mitarbeiter dieser Firma und schickte auch das Heft „125 Fein Jahre – Die Chronik von 1867 bis 1992“.

Die Chronik beinhaltet viele interessante Einzelheiten über die Geschichte der Elektrowerkzeuge. Aufgenommen ist zum Beispiel ein Brief des berühmten Erfinders Thomas Edison vom 4. März 1879. Darin bittet er um die Zusendung des neuesten Fein-Katalogs:

Gentlemen,
Will you please mail me your latest Catalogue and greatly oblige.
Yours truly
Thomas A. Edison

Und auch aus der Chronik das Plakat „Der beste Bohrapparat“ (1911).

Dass wertvolle aber kaputte Objekte zur Ausstellung in Museen repariert werden ist bekannt. Weniger bekannt ist die Reinigung und Reparatur weggeworfener Gegenstände für Ausstellungszwecke.

Bad Säckingen beheimatet Deutschlands erstes Müllmuseum.
Bad Säckingen Müllmusuem

Nach dem Motto „Was andere wegwerfen, stellen wir ins Museum“ werden dort Objekte ausgestellt, die aus dem Müll gefischt wurden. „Man glaubt gar nicht, was so alles weggeschmissen wird im Laufe der Zeit“ meint Karl Thomann, Juniorchef im Museum. Er freut sich darüber, dass heutzutage die Wertschätzung für Sachen höher ist und Gegenstände nicht so oft weggeschmissen, sondern eher an Liebhaber weitergegeben werden.
Müllmusuem Wallbach

Und nun zum Februar-Termin. Die Veranstaltung war sehr gut besucht.

Unsere Gäste brachten wieder verschiedene Gegenstände zur Reparatur, darunter ein Föhn, eine Küchenmaschine, Radios, ein Bügeleisen und eine Nähmaschine.

Renner waren diesmal Fahrräder und Kaffeemaschinen.

Ein Distelstecher bekommt einen neuen Holzgriff

Ein Mikrowellenherd wird repariert

Auch die Nähtische waren gut besucht.

Zusätzlich zu den üblichen Nahmaschinen stand diesmal auch eine Overlock-Maschine zur Verfügung. Im Unterschied zu den klassischen Nähmaschinen versäubert dieses Gerät die Nähte und schneidet gleichzeitig die Nähzugabe.

Und wie immer gab es eine Auswahl an leckeren Kuchen, serviert von unseren Damen an der Theke.